Mittwoch, 11. April 2012

Oster-Traditionen in Franken: Der größte Osterbrunnen in Bieberbach nördlich von Nürnberg

Früher reinigten die Dorfbewohner Frankens ihre Brunnen in der Zeit vor Ostern von winterlichem Schmutz. Die Brunnen liegen meist mitten am Dorfplatz. Vor den Osterfeiertagen säuberte man sie, um für die Festlichkeiten der Osterzeit frisches und sauberes Wasser von dort holen zu können. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus der Brauch, die Brunnen österlich zu schmücken, und vor allem in Franken und der Oberpfalz kann man heute in den Wochen vor Ostern wunderschön dekorierte Osterbrunnen auf den Dorfplätzen vieler Landgemeinden sehen. Einer der größten davon steht im Zentrum des kleinen Dorfes Bieberbach in Franken, das eine knappe Stunde nördlich von Nürnberg abseits der Hauptdurchgangsstrecken inmitten der Fränkischen Schweiz liegt.



Gewöhnlich wird ein Osterbrunnen mit einer aus Tannenzweigen geflochtenen Girlanden geformten Krone bedeckt, an der gefärbte Ostereier in allen Farbschattierungen angebracht sind. In Bieberbach ist dies alles etwas größer: die Einwohner dieses kleinen Dorfes in der Hügellandschaft Frankens arbeiten schon lange an den Vorbereitungen und färben Eier in Rot, Gelb, Blau oder Pink. Damit verzieren sie zwar auch eine Krone, aber diese thront über eiergeschmückten Bögen über dem sprudelnden Dorfbrunnen. Und damit nicht genug: der Brunnen ist umgeben von Kränzen und Bögen, die in verschiedenen Farben geschmückt sind. So entsteht ein imposantes und dekoratives Ensemble aus Kronen, Kränzen, Bögen und Girlanden, auf denen Ostereier aller Couleur ein prachtvolles Bild ergeben.

Nur eines sollte man nicht tun: wie wir am Ostersonntag zum Osterbrunnen von Bieberbach fahren, denn dabei zeigt sich, dass dieser Brunnen kein "Geheimtipp" mehr ist und man muss sich den Brunnen mit vielen anderen Besuchern "teilen". Während der Woche dürfte der Trubel am Osterbrunnen von Bieberbach geringer sein. Trotzdem lohnt ein Ausflug dorthin, denn dieser Osterbrunnen ist mit Abstand  der schönste, den wir in der bayerischen Provinz gesehen haben. Genügend Vergleichsmöglichkeiten hat man in der Umgebung von Bieberbach außerdem. Auf unserem Weg nach Nürnberg fallen uns immer wieder Hinweisschilder an den Einfahrten zu anderen Dörfern auf, auf denen auf den ortseigenen Osterbrunnen hingewiesen wird.



Quelle: eigene Recherchen vor Ort

Text: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Copyright Monika Fuchs, TravelWorldOnline

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Mittwoch, 4. April 2012

Oster-Tradition im Burgenland, Österreich: Ostereier kratzen in Stinatz


Bemalte Straußeneier wirbeln am Rad durch die Luft. An den gerade aufblühenden Forsythien baumeln rote, blaue, grüne, lila, gelbe und bunte Eier verschiedenster Größen im Wind, und zwischen den Blumenrabatten und Büschen im Vorgarten der Familie Stipsits im kleinen österreichischen Dorf Stinatz im Burgenland spitzen Osterhasen aller Art zwischen dem Buschwerk hervor. Es ist Osterzeit in Stinatz, und das bedeutet für Erika Stipsits, dass sie kaum etwas anderes tut als Eier auszublasen, zu färben und anschließend kunstvoll mit bildschönen Motiven zu verzieren und zu bemalen.

Oster-Brauch in Stinatz, der schon über Generationen Tradition hat

Erika Stipsits in ihrer Küche
Gelernt hat sie das Ostereier Schnitzen von ihrer Mutter, und diese wiederum von ihrer Großmutter. In den Wochen und Monaten vor Ostern wird in der Familie von Erika Stipsits fleißig an der Vorbereitung der österlichen Dekoration gearbeitet. Und die kann sich sehen lassen: aus einem alten Musterbuch, in dem sie schon seit ihrer Kindheit Motive verschiedener Eierschnitzer aus der Region im Südburgenland in Bleistiftzeichnungen zusammengetragen und gesammelt hat, holt sie sich zu Beginn der Saison, die für sie bereits im Herbst beginnt, die Ideen für ihre Eierdekorationen. Da gibt es Blumenmotive, Herzen, Blattformen, Ranken und Bordüren, die schließlich aus einem einfachen weißen Hühner-, Gänse- oder gar Straußenei ein wahres Kunstwerk machen.

Ostereier Schnitzen - ein Osterbrauch, der ursprünglich aus Kroatien stammt

Ostereier, wie sie in Kroatien verziert werden
Das Dorf Stinatz liegt unweit der Grenze zu den slawischen Nachbarstaaten, und in den Wirren des 19. Jahrhunderts verschlug es eine ganze Reihe kroatischer Familien ins Burgenland. Noch heute wird in manchen von ihnen die Tradition der kroatischen Heimat hochgehalten, wenn auch, wie Erika Stipsits sagt, "der Großteil der Jugend sich nicht mehr die Mühe macht, das österliche Brauchtum fortzusetzen. Denen ist die Arbeit zu anstrengend und der Aufwand zu groß."

Und tatsächlich handelt es sich beim Ostereier Schnitzen sichtlich um harte Arbeit. Die Schwielen an den Händen von Erika Stipsits sprechen Bände und zeugen von der anstrengenden Beschäftigung. "Die Osterzeit beende ich gewöhnlich mit einer Sehnenscheiden-Entzündung," berichtet Frau Stipsits. Kein Wunder, arbeitet sie doch täglich von morgens bis spät in die Nacht hinein an ihren zerbrechlichen Kunstwerken.

Die Ostereier Schnitzerinnen von Stinatz - über das Burgenland hinaus bekannt

Eine gekratzte Rose als Osterei-Motiv
Ihr Fleiß zahlt sich aus: die Ostereier Schnitzerinnen von Stinatz sind in ganz Österreich bekannt. Jeder, dem wir von unserem Besuch dort erzählen, hat schon von ihnen gehört. Und Erika Stipsits erzählt, dass sie bereits im Fernsehen aufgetreten ist mit ihrer Kunst, und sie sogar beim österreichischen Bundespräsidenten zu Gast war. Und auch ihre Kunden kommen aus ganz Österreich: "Einer meiner Stammkunden reist jedes Jahr extra aus Kärnten an, um sich neue Eier zu holen."

Am liebsten ist ihr, wenn die Kunden sie in ihrer Küche besuchen, wo sie tagsüber arbeitet. Dann können sie ihr dabei zusehen, wie die Kunstwerke entstehen und sogar Wünsche zu individuellen Motiven äußern. "Ein Osterei mit kindlichen Lieblingsmotiven wie 'Hello Kitty' oder den Namen von Einzelpersonen sind einfach zu machen", meint Erika Stipsits und zaubert innerhalb weniger Minuten ein Ei mit dem Lieblingskätzchen der Kleinen als Hauptmotiv unter ihren Händen hervor. Dafür benötigt sie weder eine Vorlage noch eine Anleitung, wie überhaupt bei der Herstellung ihrer Werke. Sie beherrscht diese Arbeit quasi im Schlaf, denn sie erzählt uns während unseres Besuchs vieles über die Kunst des Ostereier Schnitzens, während gleichzeitig ein Ei nach dem anderen kunstfertig von ihr bearbeitet wird - jedes mit anderen Motiven, ohne Vorlage und ohne einmal innezuhalten, um zu überlegen, wie das Muster weiter gestaltet werden soll.

Wer selbst einmal beim Ostereier Schnitzen zuschauen will, ist herzlich willkommen. In der Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersamstag kann man Frau Erika Stipsits in ihrer Küche besuchen: Frau Erika Stipsits, Hauptstraße 196, A-7552 Stinatz, Tel. 03358 / 3192. Weitere Fotos von den Oster-Traditionen in Stinatz im Burgenland.



Quelle: eigene Recherchen vor Ort mit freundlicher Unterstützung von Burgenland Tourismus und Kreativ Reisen

Text: © Monika Fuchs, TravelWorldOnline
Fotos: © Monika Fuchs, TravelWorldOnline